Freitag, 11. Juli 2008

ISPRS-Konferenz: Tag 8 (Abschluss) - eLML gewinnt CATCON Gold Award!

So, der ISPRS Kongress ist offiziell zu Ende und ich bin sehr, sehr zufrieden, denn in der Closing Ceremony hat eLML/GITTA noch den CATCON Gold Award gewonnen! Man muss dazu sagen, dass es zwei Gold Awards gab, einen ohne Geld als "Honory Mention" für Susanne und mich und einen mit Geld ($1000) für CityGML, das Projekt des CATCON-Veranstalters... Genau... Unseres sei zu professionell hiess es, man wolle auch kleinen Einzelprojekten eine Chance geben. Natürlich gibts zu dieser Aussage und den beiden Preisen noch ganz viel zu sagen, schlussendlich war das ja auch ein politischer Entscheid uns nicht den "gesamten" Preis zu geben, aber das publiziere ich jetzt nicht in einem öffentlichen Blog, hehe :-)


Mit dem Ende des Kongress gehen auch Susanne und ihr Team nach Hause und mit Susanne geht auch mein Laptop. Das heisst, fertig Filme, fertig tägliche Blogs und vermutlich auch fertig soviele Photos publizieren. Heute Abend geh ich noch mit einem Chinesischen Greenpeace Aktivisten (Kollege von M.W., auch hier will ich nicht mehr schreiben in einem öffentlichen Blog :-) in den Ausgang und freue mich auf mal einen entspannten und lockeren Abend nach all diesen Social Events. Und Morgen fliege ich dann nach Shanghai weiter wo ich am Sonntag-Morgen Josiah in Empfang nehme.



Donnerstag, 10. Juli 2008

ISPRS-Konferenz: Tag 7 & Gala Dinner

Am Donnerstag, dem zweitletzten Tag der Konferenz, hatte ich meinen dritten Vortrag. Ich habe in einer E-Learning Session unsere beiden Open Source tools OLAT und eLML vorgestellt. Ich war - wie immer - nervös und hab den Vortrag in meinem Hotelzimmer auf und ab gehend etwa 4 mal geübt. Die Angestellten des Hotels die jeweils im Gang hin und her "wuseln" müssen wohl gedacht haben, dass ich einen Flick weg hab und irgendwie Selbstgespräche führe :-) Nach der Session wurde ich jedenfalls bestürmt von Leuten die eLML und insbesondere OLAT sehen wollten auf meinem Laptop. Ich bin sehr gespannt wer von diesen Leuten wir dann wirklich eine Mail schickt bzw. schlussendlich OLAT evaluieren und vielleicht sogar einsetzen wird. We will see...

Übrigens noch eine Bemerkung zu meinem Nachfolger dieser Session: Es war in Indischer Doktorand der ein Geomatik-Ausbildungsprogramm vorstellt. Er hat meine uneingeschränkte Bewunderung geerntet für seine ruhige Art in brenzligen Situationen einen Vortrag durchzuziehen. Sein Laptop bzw. das Windows Vista drehte völlig durch. Ich habe sowas noch nie gesehen: Der Computer machte sich selbständig! Er liess da so seine PowerPoint Präsentation laufen und plötzlich öffnet sich irgendein Assistent und begann irgendwas zu sprechen. Dann wiederum öffnete sich irgendein anderes Programm um zu informieren, dass die Trial-Dauer abgelaufen sei. Wiederum ein paar Sekunden später öffnete sich ein Suchfenster und der Computer meinte "Please enter your search query". Peinlich wurde es dann als sich plötzlich seine Ferienfotos öffneten, der Inhalt der Fotos war dann aber nicht ganz so peinlich wie er hätte sein können. Dann wiederum fragte irgendein Hilfe-Programm für Personen mit einer Behinderung ob es etwas machen solle. Kurzum: Der Computer ging "totally nuts" und der gute Inder blieb nichtsdestotrotz die Ruhe in Person. Chapeau! Mein Vorschlag doch meine Laptop zu benutzen und die Präsentation rüberzukopieren unterband der Session Chair: "no time, please continue...". Ich wusste gar nicht, dass ein Vista so ausser Rand und Band geraten kann und selbstständig Programme öffnet und schliesst? Kann jemand der Vista kennt hier einen Kommentar hinterlassen wie sowas möglich ist? Das einzige was ich mir vorstellen könnte ist, dass er irgendwelche Spracherkennung eingeschaltet hatte und deshalb immer wieder mal etwas komisches passierte... Die anderen Vorträge dieser Session gingen dann rund über die Bühne.

Ganz knapp erwischte ich dann noch den Bus zum Gala Dinner, der eigentlich um 18 Uhr fuhr aber da war ich noch immer mit Fragen beantworten und Demos beschäftigt. Hier in China sind alle extrem pünktlich, um 18:10 Uhr machte ich mich auf den Weg nach draussen und es hiess schon "hurry, hurry, quick, quick" von den Helfern sodass ich trabend in den letzten Bus einstieg und tatsächlich die Busse fuhren sogleich los in Richtung Jiuhua Spa & Resort wo das Dinner stattfand. Die Fahrt dorthin war wiederum ein Erlebnis: Ein mehrere hundert Meter langer Konvoi von rund 15 Cars eskortiert wiederum von der Polizei durch die Stadt und über die Autobahn brausend. Wiederum alles abgesperrt von der Polizei (siehe auch mein Blog-Eintrag zur Beijing Night Show). Die Fahrt endete dann in einem Resort, ein unglaubliches Areal mit Hotels und irgendwelchen Anlagen für schätzungsweise tausende von Personen. Zwischen den 16 riesigen Gebäuden gabs so eine Art Monorail-Hochbahn für die ganz faulen Gäste :-) Wir landeten in einem dieser Gebäude und wurden dort in einen riesigen Saal gebracht wo das Gala Dinner stattfand.


Das Gala Dinner selbst war nicht so der Hammer. Ich sass mit Italienern, Spaniern und zwei Deutschen am Tisch (10 Personen pro Tisch) und es kamen erst die Vorspeisen als wir schon zwei Flaschen Rotwein gekippt hatten. Doch das wars. Pro Tisch gabs zwei Flaschen, mehr wurde nicht rausgegeben was natürlich insbesondere bei den Italienern und den Spaniern auf völliges Unverständnis stiess. Ein Abendessen ohne Wein? No way... Janu, es gab dann noch Bier, aber auch rationiert sodass die alkoholischen Getränke relativ rasch zur Neige gingen. Ich muss dazu noch anfügen, dass es das erste Mal ist, dass es überhaupt Alkohol gibt an so einem Social Event. Ich habe - ausser bei der Opening Ceremony - noch keinen Tropfen Wein getrunken seit ich in China bin.

So war die Stimmung etwas gedrückt. Es wurde sehr viel Essen aufgetischt doch mit zwei, drei Ausnahmen alles nur Fleisch und Fisch. Das hiess für mich, dass ich dann im Hotel den Room Service noch bemühte mir ein Abendessen zu bringen, denn ich ging hungrig nach Hause. Zwar verstand der nicht Englisch sprechende Kellnern, dass ich kein Fleisch essen aber machen konnte er nix... Auch das war abgezählt wenn auch beim Essen die Mengen an verschwenderischen Überfluss grenzten und ich mich fragte was mit den Tonnen von Food gemacht wurde den die Leute da stehen liess. Hätten sie doch weniger Geld für Essen und mehr für Wein ausgegeben :-)

Vorne auf der Bühne gingen irgendwelche Nominierungen über die Bühne doch in dieser riesigen Halle sass ich - einmal mehr - zuhinterst und es hallte so extrem, dass ich beim besten Willen nichts verstand. Die täglich erscheinende "ISPRS Daily" Zeitung titelt heute "ISPRS Honors its finest" aber viel mehr weiss ich auch nicht. Später gabs dann noch eine Tanz- und Musik-Show und zum Schluss wurde auf der anderen Seite der Halle eine Tanzecke eröffnet mit Musik die mich an den Jade-Shop erinnerte, hehe :-) So warteten spätestens ab 22 Uhr die meisten auf die ersehnte Rückfahrt der Busse um 22:30 Uhr. So gings zurück zum Hotel und ich bestellte mir mein Abendessen das übrigens ausgezeichnet war! Überhaupt ist mein Hotel der Hammer, das Personal extrem zuvorkommend, die Ausstattung des Zimmers (Internet, Bügeleisen und -brett!, Wasserkocher etc.) perfekt und der einzige Nachteil ist eigentlich, dass ich viel mehr Zeit im Zimmer arbeitend oder mich ausruhend verbrachte als geplant. Wäre ich in einem billigen Loch gewesen hätte ich die Zeit genutzt um Peking zu erkunden. Janu, dafür waren meine Vorträge hoffentlich umso besser und auch die Leute die mir Mails geschickt haben erhielten meist relativ schnell eine Antwort.


Mittwoch, 9. Juli 2008

ISPRS-Konferenz: Tag 5/6 (CATCON) & Film & Besuch der Verbotenen Stadt

Auch ich renne jetzt neuerdings mit so einer Videokamera rum (Vater sei dank :-) und Filme zitternd alle wichtigen Sehenswürdigkeiten (teilweise bis zum 800fachen herangezoomt natürlich :-) um Euch dann bei meiner Rückkehr mit diesen stundenlangen, verwackelten Aufnahmen zu quälen. Noch besser, ich beginne gleich jetzt! Hab heute Abend mal schnell ein paar Aufnahmen auf den Laptop kopiert und zusammengeschnitten, nix grossartiges, 10 Minuten um ein paar Impressionen aus Peking in die Schweiz zu schicken. So enjoy, don't expect miracles, klick auf das Bild unten um den Film zu starten:


Wie man im Film sieht war ich mit anderen Konferenzteilnehmern auf einer Tour durch die Verbotene Stadt und zum Tiananmen-Platz und ich habe endlich gemerkt für was diese blöden Fähnchen mit denen Tourguides jeweils rumlaufen gut sind: Wenn man mit tausenden anderen durch die Verbotene Stadt zieht, ein bisschen langsam ist mit fotografieren oder filmen, dann findet man - Fähnchen sei dank - seine Gruppe wieder. Yeah :-) Ich werde nie mehr lästern über Tourgruppen denen zügigen Schrittes ein Tourguide mit erhobener Fahne (Regenschirm mit etwas dran geht auch) vorausläuft. Ehrenwort. Genau wie ich auch nicht mehr lästern werde über schlechte Vorträge. Hab ich ja schon im letzten Beitrag versprochen. So sind wir also durch die Verbotene Stadt gehetzt, gefolgt vom Tiananmen-Platz, alles in allem mehrere Kilometer und als der Tourguide den Besuch einer interessanten Seiden-"Fabrik" ankündigte habe ich mich dann abgesetzt. Enough factories for me...

Dienstag Nachmittag war dann Konferenz angesagt, nix weltbewegendes, Poster Session und so...

Dafür war dann am Abend wieder ein Highlight angesagt: Laoshe Teahouse, also ein Teehaus beim Tiananmen-Platz (auch "Touristenfalle" genannt). Ein Besuch eines Restaurants stand auch auf dem Programm, als wir jedoch in den Bus einstiegen bekamen wir eine Kartonschachtel in die Hand gedrückt mit einem dieser dreieckigen Toast-Sandwiches und einer abbgepackten "Apple-Pie" Schnitte drin sowie eine Wasserflasche. Der Tourguide erklärte und dann im Bus das sei der Znacht und die einen lachten noch "you must be joking, right?" doch denen verging das Lachen bald, denn es blieb bei diesem Znacht. Im Teahouse selbst bekamen wir dann die absolut hintersten Plätze zugewiesen (Achtung, der Eindruck beim Photo täuscht! Das habe ich mit einem Zoom gemacht, von blossem Auge war alles viel kleiner :-) und es gab für alle denselben Grüntee. Es gab auch ein Unterhaltungsprogramm: Witze auf Chinesische, Kung-Fu-Show, Zauberin mit Tüchern, Peking-Open und so weiter. Wäre sicher ganz nett gewesen, wenn man was gesehen hätte. Auf meinem Popularitäts-Ranking ist der Abend zwar noch vor der ominösen Beijing Night Show aber trotzdem sehr weit hinten. Ob wir bei unserer nächsten OLAT-Konferenz auch die Leute mit solchen Social Events quälen sollten? Jedem einen Döner vom NewPoint in die Hand drücken und dann ab ins Niederdorf in die Bierhalle Wolf um das reichhaltige Musikprogramm zu geniessen? Oder was wäre ein passendes Pendant in Zürich? Kommentare mit Vorschlägen sind willkommen :-)

Heute Morgen (Mittwoch) wiederum Konferenz und diesmal waren Susanne und ich an der Reihe: Der CATCON-Preis der ISPRS wurde vorgestellt (bzw. die nominierten Projekte). Kurz ein paar Worte zum CATCON-Preis der ausgeschrieben Computer Assisted Teaching CONtest heisst (zu dieser ominösen CAT-Abkürzung lese man meine letzten Beitrag) und die Workgroup 2 "E-Learning" der Commission 6 der ISPRS zeichnet damit alle vier Jahre ein herausragendes open source E-Learning tool aus. Total waren 9 Projekte anwesend die jeweils 5 Minuten Zeit hatten sich vorzustellen. Susanne hat GITTA vorgestellt und ich habe eLML und OLAT vorgestellt. Anschliessend hatte man für 3 Stunden einen Tisch für sich und die Leute konnten im Raum umhergehen und die Tools anschauen und Fragen stellen. Das war sehr intensiv, denn teils waren 3 oder 4 Personen gleichzeitig am Tisch und stellten Fragen, aber sehr interessant. Wer gewonnen hat wissen wir am Freitag bei der "Closing Ceremony". Übrigens treten nicht nur beim CATCON GITTA und eLML (bzw. hier noch OLAT) "gegeneinander" an. Beide Projekte wurden letzte Woche als Finalisten des 100000-Euro-Preises "MedidaPrix" nominiert. Bei CATCON hingegen gehts um "nur" $1000 dafür um sehr viel "fame" :-) Egal wer also am Freitag hier in Peking gewinnt, Susanne und ich werden uns ein nächste "Showdown" an der GMW-Tagung vom 16. bis 18. September 08 in Österreich liefern, hehe :-)

Und den Nachmittag verbrachte ich nun im Hotel mit Vortrag für Morgen vorbereiten und Film (siehe oben) auf Laptop laden bzw. zurück ins Internet speisen (und das dauert...). Morgen habe ich nochmals einen "richtigen" Vortrag und stelle dem Publikum wiederum OLAT und eLML vor. Das ist natürlich nur für jene interessant die heute nicht am CATCON-Wettbewerb waren.

Montag, 7. Juli 2008

ISPRS-Konferenz: Tag 4 & Sonntag in Peking

Diesmal beginne ich rückwärts mit meinem Erlebnisbericht: Heute hatte ich meinen ersten Vortrag und zwar in der WG VI/2 Technical Session. Eine kurze Erklärung zum Aufbau der ISPRS-Organisation: Die International Society for Photogrammetry and Remote Sensing (ISPRS oder auf Deutsch: Internationale Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung) hat insgesamt 8 Technical Commissions und alle diese commissions haben wiederum jeweils "Working Groups" (WG). Die für meine Themen interessante Einheit ist die Commission VI - Education and Outreach welche wiederum in 5 working groups und eine special interest group unterteilt ist. Heute habe ich nun also meinen Vortrag über GITTA in der Working Group 2: "E-Learning" gehalten. So erklärt sich also die Abkürzung zu WG VI/2.
Noch einen kleinen Seitenhieb den ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen kann: Wie der Co-Chair Mark Shortis in seiner einführenden Präsentation zeigte (Mausklick aufs Bild für volle Grösse falls man es nicht lesen kann) wurde diese Working Group schon 1992 (!) gegründet, hiess aber damals noch CAT, dh. Computer Aided Teaching. 2004 wählte man dann aber einen etwas aktuelleren und moderneren Namen für die Gruppe: E-Learning. Bei uns an der Universität Zürich wird das genau umgekehrt gemacht: Unsere Gruppe, das MELS, sowie das E-Learning Center ELC gehören ab 1. August 2008 zur neuen Abteilung CATA (gleiche Abkürzung aber noch mit "& Assessment" hinten angehängt). Man lese die Pressemitteilung. Da scheint jemand ganz weit hinten in der Mottenkiste nach einem Namen für eine neue Abteilung gesucht zu haben, hehe :-) So, Klammer geschlossen (und ich meinen Job los wegen stänkern??).
Nun der Vortrag lief glaubs nicht schlecht. Ein bisschen schade war, dass ich ca. um 17:25 Uhr dran war und die Session bis 17:30 Uhr dauerte. Obwohl mich der Session Chair Gert König keineswegs drängte fühlte ich mich selbst ein bisschen gedrängt und hab den gut 20 minütigen Vortrag dann in knapp 15 Minuten gehalten. Aber ich glaub es war ganz OK (oder Susanne? Du darfst auch gerne einen Kommentar posten, von mir aus auch anonym, damit ich dann nicht weiss wers war :-) Und mit vielleicht 30 Personen war die Session auch knapp zur Hälfte gefüllt was ganz ok ist.

Vor dieser Session gabs von 13:30 bis 15:00 auch wiederum eine riesige Poster Session bei welcher ich aber nur so halbherzig teilnahm weil a) das Thema "Education" an diesem Tag fehlte und b) ich schon relativ nervös war (wie immer vor einem Vortrag...) und mit den Gedanken eher beim Vortrag als bei den Posters.

Was lief noch heute? Am Morgen gabs einen Ausflug zu National Geomatics Center of China (NGCC). Das ist die Behörde welche in China für das erfassen und aufbereiten von Geo-Daten zuständig ist. Zuerst gabs eine kurze Einführung der Chefin gefolgt von einem Vortrag über die Vermessung der Grossen Mauer sowie zu Katastrophenmanagement im Bezug auf das Erdbeben von vor zwei Monaten. Bei beiden Vorträgen klickten die Referenten teils Folien so schnell weiter, dass man gar nicht wusste ob sie nun gestresst waren oder ob sie gar nicht wollten, dass wir die Folie sehen. So gabs scheinbar eine Folie auf der Stand, dass neuste Vermessungen der Grossen Mauer die exakte Länge mit rund 50'000 km anstatt der bisher angenommenen 6'000 km eruiert hätten?? Auf die entsprechende Frage wollte der Referent dann aber nicht eingehen und verweist auf die Resultate die Ende 2008 publiziert werden. Man muss dazu wissen, dass es nicht "die" Grosse Mauer gibt sondern je nach Dynastie wurde wieder eine neue Mauer gebaut entlang der jeweils aktuellen Grenze.
Da diese Grenze aber grösstenteils gleich blieb, ist es schon so, dass die Grosse Mauer über weite Strecken eben eine einzige Mauer ist. Übrigens fiel mir auf (ich hab mir nach meinen Vortrag heute zwar geschworen nicht mehr im Blog über andere Referenten herzuziehen aber das muss noch sein:), dass auch bei Chinesischen Referenten der PowerPoint Stil "Übergänge" (siehe letzten Blog-Eintrag) sehr, sehr beliebt ist, hehe :-) Alles in allem ein interessanter Morgen der dann bei der Führung relativ abrupt mit den Worten "You have to go to bus now!" beendet wurde. Das war ein relativ schräger Abgang und man wusste nicht recht ob es einen Zusammenhang mit der letzten Publikumsfrage (Woher hat Google Earth die Satellitenbilder? Auch vom NGCC?) gab oder ob die NGCC-Führung nach einer Bürobesichtigung wirklich schon beendet war. We'll never know!

Sonntags-Ausflug
Am Sonntag lief nix an der ISPRS-Konferenz (ausser einem "Mauer-Besuch", den ich aber schon am Freitag "absolviert" hatte...) und so machten Susanne, Hannes (beide FHNW) und ich uns auf in den Sommerpalast. Das ist die ehemalige Sommerresidenz des Kaisers und entsprechend lauschig gelegen mit riesigem See, Flüssen, Pärken und historischen Gebäuden die aber praktisch alle mehrmals wieder aufgebaut wurden (teils vor 15 Jahren...) weil die Franzosen oder Engländer oder sonst jemand der nicht nett oder schlecht drauf war alles niedergebrannt hatte. Man behafte mich hier zu dieser späten Stunde (es ist 2 Uhr nachts...) nicht auf diese geschichtlichen Details sondern lese in Wikipedia oder sonstwo die Wahrheit und nichts als die Wahrheit nach. Was ich eigentlich sagen will ist, dass in China vieles alt oder sehr alt aussieht und zum Teil erst wenige Jahre alt ist. Gut in kopieren sind die Jungs... Aber schön siehts trotzdem aus und wir hatten auch eine angenehmere Zeit im Sommerpalast zusammen mit etwa 50'000 anderen (geschätzte Zahl beim Eingang war 43'000 Eintritte für diesen Sonntag). Da die Anlage inkl. See aber rund 2.5 km lang und 1.5 km breit ist, verteilt sich das schon meistens. Nicht jedoch bei den neuralgischen Punkten wie bsp. dem Wandelgang:



Ein paar weitere Fotos:




Die Algenplage plagt die Chinesen übrigens nicht nur an der Olympiade sondern auch hier:

Übrigens habe ich bei diesem Ausflug ein neues Hobby meinerseits entdeckt: Chinesen beim posieren fotografieren :-) Chinesen posieren scheinbar immer und überall, egal wie, wo, wer sonst noch im weg steht und überhaupt. Kurzes grinsen, dann wieder ein "Lätsch", Hauptsache Foto mit Sujet und Person (meist Kind oder Freundin) ist gemacht *grins*

Anschliessend gings ins Zentrum zum Beihan Park und See, ebenfalls Tempel, Boote, Stände, Touristen und alles wiederum sehr pittoresk. Ich spar mir jetzt die Bilder, könnt ihr ja bei Google schauen :-) Bei diesem zweiten Park viel mir wiederum etwas auf nämlich der Geschäftssinn der Chinesen: Man zahlt also Eintritt in diesen grossen Park. In diesem Park hats einen See mit einer Insel (Jade Insel) mit einem Hügel und einem Tempel drauf. Da zahlt man natürlich das Boot und wenn man drüben ist, dann kann man schon rundherum laufen aber wer auf den Hügel will, der bezahlt, denn das ist ein Kloster oder so. Nun gut, auf der Spitze hats eine weisse Pagode und um die anzuschauen... Genau, man bezahlt wieder Eintritt. Da ist man also auf dieser Insel, auf dem Hügel ganz oben auf der Pagode und kommt um die Ecke zur letzten Treppe (von dort sieht man nämlich bis zur Verbotenen Stadt!) und? Genau! Man zahlt wieder *grins* Nicht viel jeweils, 2.- oder auch nur 1.-, die Treppe am Schluss kostet gar nur noch 40 Rappen oder so aber trotzdem, ziemlich klug. Jedesmal sagte ich mir: Ja also wenn ich schon da bin, dann zahl ich das halt noch, will ja schon noch rauf. Ganz schon klever...

Und nach einem wohlverdienten längeren Rast in einem Teehaus gings dann schlussendlich in ein feines Restaurant mit endlich mal ein pikantem Essen mit viel Chili (Sichuan Küche nennt sich das, benannt nach dem gleichnamigen Staat/Kanton).

Und ganz zum Schluss sind wir noch ziellos durch kleine dunkle Gassen, sogenannte Hutongs (die man heute wegen dem Gigantismus in Peking immer seltener sieht...) geschlichen und im Gegensatz zu bsp. Mexiko wo ich mich an ähnlichen Orten mehr als nur Unwohl gefühlt hätte, scheint das in China kein Thema zu sein. Cool! So 2h an einem Blog-Eintrag schreiben sind genug!! Ich hoffe ihr müsst nicht ganz so lange lesen :-)

Samstag, 5. Juli 2008

ISPRS-Konferenz: Tag 3 (wieder mit Social Event!)

Heute war ich wieder an der Konferenz im grossen BICC (Beijing International Conference Center). Das überrascht mich jeden Tag von neuem: Nun bauen sie überall Stände auf und auf der Treppe in den ersten Stock ist der rote Teppich nun geschmückt mit Orchideen und anderen schönen Blumen, sodass man nur noch mit der Rolltreppe rauf oder runter kommt. Was die für ein Budget haben... Ich schätze mal, dass alleine dieses Blumenarragement vom Erdgeschoss in den 1. Stock soviel gekostet hat wie die gesamte OLAT Konferenz die wir im März in Zürich organisiert haben...

Die ersten zwei Stunden verbrachte ich an der Poster Session. Alle die schon an Konferenz waren mit Poster Sessions sagen jetzt: Ihhh, das ist doch nicht... Aber doch, es war wirklich sehr spannend und gut organisiert. Total waren alleine in dieser 2h Postersession rund 250 Posters (hab sie "schnell" nachgezählt im Programm) angemeldet und über den ganzen 3. Stock des BICC verteilt. Es sind lange nicht alle erschienen, die geringste Beteiligung hatte leider die Kategorie "Education" bei der von 27 akzeptierten Postern genau einer gekommen ist. Janu, dafür hab ich sonst ein paar interessante Sachen gesehen und mit Leuten geschwatzt. Das wirklich spannende an den Poster Sessions ist ja, dass die Person die die Arbeit bzw. das Poster gemacht hat jeweils dort steht und man diskutieren kann (für die die mit dem Begriff "Poster Session" jetzt gar nix anfangen können). Man hockt also nicht passiv in einem Vortrag und läst sich berieseln sondern läuft aktiv durch die Ausstellung, liest die Poster und stellt gleich fragen. Ich denke das war nicht meine letzte Poster Session hier. Es hat jeden Tag eine neue und erstaunlicherweise immer mit etwa derselben Anzahl Posters! Man rechne: 250 Posters an 8 Tagen, da sind wir schon bei 2000 Posters!

In einem Vortrag "berieseln" liess ich mich dann doch noch (leider): Bin zu Susanne in eine Session des "Youth Forum" reingesessen, bei welcher es um Themen wie "How to write a good thesis" oder "Oral presentations" ging. Gehalten wurden die Vorträge vom "White Elephant Club", das ist bezeichnenderweise ein Club von emeritierten (=alten) Professoren die aber zum Teil trotzdem nicht viel vom Thema verstehen. Der gute Herr der einem Tipps zu "Oral presentations" - sprich: "wie halte ich gute Vorträge?" - überraschte mit so gelungenen Aussagen wie: Man solle gepflegt erscheinen, man solle nicht zu fett sein und man solle nicht mit dem Rücken zum Publikum reden. In seinen vollbepackten, relativ unsexy daherkommenden Folien sprach er auch von multimedia und neuen Technologien und schöner Graphik etc. Das alles wohlgemerkt dargestellt im Ur-PowerPoint Design schlechthin: "Übergänge". Für die die jetzt nich wissen welches ich meine (ich musste selbst auch schnell nachschauen im PowerPoint wie es heisst, hehe :-) das ist jenes üble weisse Design mit drei farbigen Würfeln (Gelb, Rot und Blau) links neben dem Titel.

Um 18 Uhr wurden dann die angemeldeten Gäste für die "Beijing Night Show" vor dem BICC versammelt und in drei Cars aufgeteilt durch die Stadt gekarrt wie die wichtigsten VIPs. Mir war nicht ganz klar warum, aber wir erhielten im 18-Uhr Feierabend Verkehr eine Polizeieskorte und wurden in Windeseile zu diesem Theater gekarrt. Das hiess konkret: Vorne ein Polizeiwagen, auf der Seite teilweise zwei und hinten glaubs noch einer. Dann bogen wir auf die "Second Ring Road" ein, wohlgemerkt eine ca. 12 bis 14 spurige Autobahn rund um Peking und die ganze eine Hälfte inkl. Einfahrten wurde extra für uns gesperrt. Schon klar, dass die hunderte von Metern aufgstauten Autos zu uns rüberschauten als wären wir Aliens. Auch ich hab glaubs ziemlich verdutzt aus dem Car geschaut. Aber so lernt man immer wieder neues: Das nächste Mal wenn ich irgendwo eine Polizeieskorte sehe mit Blaulicht werde ich wissen, aha schon wieder so Konferenzfuzzis... Musste wiederum an unsere OLAT Konferenz denken, die armen Teilnehmer die wir zum Bankettdinner 20 Minuten zu Fuss durch Oerlikon gejagt haben um Geld zu sparen. Hehe... Und es gab nicht mal einen Backup-Plan wenn es geschifft hätte! Und erst der Fondueabend: Wir treffen uns am HB aber jeder löst sein Ticket auf den Üetliberg selbst. Hihi, die Chinesen sind jedenfalls gut im bluffen und Leute beindrucken.

Die Show selbst würde ich dann in die Kategorie "pathetische Scheisse" stecken (andere nenen es "Touristenfalle"). Ich hab vielleicht die Beschreibung nicht gut gelesen aber bei einer Beijing Night Show da erwarte ich alles mögliche: Akrobatik, Zirkus, Variete, Peking Oper, Gesänge, ja sogar Rock oder Pop wäre möglich gewesen. Stattdessen kam dann eine pathethische Kostüm-Tanz-Show mit vielen "brave Chinese Soldiers" und "proud Ming oder Qing Königen" und "Ladies as pretty as Lotus flowers". Der ultimative *gähn* aber zum Glück relativ kurz (ca. 1h). Vor der Show wurde uns in Rekordtempo - nämlich 45 Minuten! - ein 6-Gang Menu inklusive Dessert aufgetischt, ein Essen das ziemlich fad und lieblos war. Auch mit dem Vegearierer weiss ich nicht so recht ob sie das wirklich geschnallt haben: Ein Gang war ganz sicher Fleisch obwohl sie beteuerten es sei kein Fleisch und ein anderer Gang - als die anderen Fisch kriegten - war sowas wie eine grosse Essiggurke, sah genauso aus, schmeckte aber wie Fisch. Ich bin überzeugt das war eine Seegurke. Ich glaub die Chinesen nehmen das nicht so genau. Alles was Gurke ist, ist Gemüse. Auch wenn es mal im Meer gelebt hat :-) An meinem Tisch sass ich übrigens mit drei sehr höflichen aber etwas steifen Pakistanern vom Vermessungsamt in Islamabad. Ich dachte, wenn dann der Sake kommt (der im Gegensatz zu Japan in China mit 56% getrunken wird!!!), dann lockert sich die Stimmung. Aber: Es gab keinen Tropfen Alkohol was nicht eben hilfreich war. Es hätte aber noch schlimmer sein können: Am Tisch neben mir sass eine Ghanerin die mit zwei Chinesen am Tisch war die absolut kein Wort Englisch konnten...

So kam es, dass ich um 21 Uhr schon mit dem Car - wieder mit Polizeieskorte! - auf dem Heimweg war. Eigentlich wäre es noch witzig gewesen noch etwas auszugehen. Nicht Beijing Night Show sondern Nightlife zu erleben. Aber Susanne war nicht gewillt nochmals aus dem Hotel zu gehen (gutes Buch, jaja... schon gut :-) und ihre Kollegen waren schon unterwegs irgendwo. Und alleine hatte ich keine Lust. So bleibe ich halt im Hotel, schaue TV und schreibe Blog... Gute Nacht!

PS: Wer über meine Blog-Publikations-Flut erstaunt ist dem sei versichert:
  1. Ich bin auch erstaunt
  2. Spätens in einer Woche wenn ich mit Josiah und ohne Laptop unterwegs bin ist Schluss damit!
PS 2: In Zürich gehts ja voll ab! Drei Tage Party im Hardturm-Stadion!! Da wär ich gern dabei gewesen... Janu, man kann ja bekanntlich nicht alles haben :-)

Freitag, 4. Juli 2008

Conference Social Program mit viel Kommerz


Heute war nun also Social Program auf meiner Agenda. Entgegen meiner gestrigen Befürchtungen kamen dann aber nur zwei Car-Ladungen voll Konferenz-Teilnehmern mit und somit war das überschaubar. Zuerst gings zu den Ming Gräbern ausserhalb Peking. Die Ming-Dynastie war eine der wichtigsten Dynastien in China und 13 der 16 Ming-Könige sind dort begraben inkl. ganz vieler Konkubinen die teils lebendig begraben wurden. Ganz enthusiastisch hat unser Guide diese und andere heldenhafte, kriegerische Geschichten von China, der Grossen Mauer und seinen heldenhaften Kriegern die China verteidigten, vom "grossartigen Poeten" Mao Zedong etc. etc.

Anschliessend - und das war wohlweislich nicht im Programm - machen wir einen Abstecher in einer Jade "Fabrik". Ich publiziere hier mal ein Foto der "Fabrik"... Und der Hammer war der Hintergrund-Warenhaus Sound: Eine Easy Listening Version von "Besame Mucho" (also ob das nicht im Original schon easy genug wäre...) gespielt von Richard Clayderman oder so... Gefolgt von weiteren Gassenhauern wie dem Titanic-Song etc. gespielt vom gleichen begnadeten Pianisten. Diese CD hätte ich sofort gekauft - nicht aber das ganze Jade-Zeugs, dass es so ab 50$ (Preis nach oben offen, bis zu 5 stellig...) zu kaufen gab (und garantiert echt war und wer mehr als 100$ ausgab bekam sogar noch ein Geschenk, jaja, so nett waren die!).

Nun war eigentlich Mittagessen angesagt und ich war leicht genervt, als der Guide nochmals den Besuch einer "Fabrik" ankündigte, einer "Fabrik" die selbst die Chinesen mit "Chinese irgendwas Friendship Store" angeschrieben haben und wo ganz viele Vasen "produziert" wurden. Ich spare mir das Photo, es sah gleich aus. Im oberen Stock gabs dann übrigens tatsächlich auch noch ein Mittagessen :-)

Und irgendwann nach 14 Uhr waren wir dann endlich bei der Grossen Mauer angelangt und zwar bei Juyong Pass in der Nähe von Badaling. Das war wirklich cool. Scheinbar kann man von dort aus eine Woche lang der Mauer entlang laufen mit Schlafsack und Zelt. Das wär cool! Stattdessen hatten wir zwei Stunden Zeit aber janu... Es war ziemlich heiss und extrem schwül, sodass alle Leute schwitzten "wie die Sau" (hier ist der etwas ungehobelte Ausdruck durchaus angebracht). Mein T-Shirt war - oben angekommen - so durch und durch nass, dass ich es auswinden konnte und es tropfte... Aber das sollte mir nur recht sein, denn die Mauer ist - vor allem am anfang - so steil, dass ich nach etwa 30 Minuten praktisch alleine unterwegs war. Bis zum höchsten Punkt sind es gut und gerne 300 Höhenmeter, was ganz ordentlich war für so einen Ausflug bei diesem Klima. Leider war die Aussicht nicht besonders toll, denn es hatte Nebel. Wobei die im gespentischen Nebel gehüllten Berge und die Mauer die darin verschwand auch ihren Reiz hatten.



Zurück in Peking machte ich mich dann auf in einen Supermarkt. Das Frühstück hier ist nicht ganz billig (20.-, find ich noch happig...) und auch das Wasser oder sonstige Getränke aus der Minibar sind abartig teuer hier. 22 Yuan für eine kleine Flasche Wasser (Yuan/10 gibt in etwa Euros). Als Vergleich: Ich hab im Supermarkt ein 12-Pack 0.5 Liter Flaschen für 8 Yuan gekauft. Der Supermarkt war dann so toll, dass ich mit 4 Säcken voll Zeugs rauskam :-) Selbst frische Algen gabs - siehe Foto. Und der IceTea ist der Hammer! Es gab sogar einen kleinen Flat-Screen am "Wägeli" auf dem irgendwelche Werbung und Shows liefen und über den man vermutlich das Sortiment etc. abrufen kann. I am impressed :-) Selbst mein "Ich esse kein Fleisch" und "Wo ist die Milch?" haben die Verkäuferinnen verstanden, das war super! Der Nachteil ist, dass die Leute bei einem Chinesischen Satz dann gleich fliessen Chinesisch antworten, was mich dann doch ein bisschen überfordert hat. Aber: Der Anfang ist geglückt.

Donnerstag, 3. Juli 2008

China in your hands

Mein erster Tag in China und ich eröffne gleich einen neuen Blog :-) Zum Thema "Blog" gleich ein Zitat aus dem Mail von heute:

«Wie schon bei unserem Aufenthalt in Mexiko oder unserer Südamerikareise möchte ich auch bei meiner aktuellen Chinareise ab und zu mal "On the road" berichten. Im Gegensatz zu früher versende ich aber keinen Newsletter sondern habe mir beim "grossen Bruder" Google einen Blog erstellt. Ja auch ich hab nun einen Blog, ich der immer (heimlich) gelästert hat über persönliche Blogs: "was stellen auch all die Leute ihr langweiliges, alltägliches bla bla ins Internet und wen interessiert das überhaupt", ich der seine private Website fisler.ch von einem Tag auf den anderen gelöscht habe weil es mich nervte, ich bin also unter die Blogger gegangen. Mal schauen wie es rauskommt. Ich würde mich jedenfalls freuen wenn ihr zu meinen Berichten regelmässig Kommentare schreibt, habe dazu extra das anonyme publizieren von Kommentaren erlaubt damit ihr auch wirklich frisch von der Leber weg meine Beiträge kommentieren könnt (mir sind aber nicht-anonyme Kommentare lieber). Natürlich könnt ihr mir auch Mails schicken, weiss einfach nicht wann ich jeweils dazu komme sie zu lesen. Werde auch versuchen ab und zu ein paar Photos zu publizieren. Um auf dem laufenden zu bleiben könnt ihr den Blog als RSS-Feed abonnieren oder (behaftet mich nicht, weiss noch nicht wie das Tool genau funktioniert) euch einen Email-Reminder bei neuen Blog-Einträgen einrichten.»

Bin also gestern von Zürich nach Shanghai geflogen (entgegen meinen Befürchtungen ohne irgendwelche Probleme am Zoll oder übermässige Kontrollen oder irgendwas... Für Insider: Ja auch "das Buch" und "das technische Spielzeug" wurde mir nicht abgenommen! Man soll ja nicht in einen Blog schreiben, dass man solche in China verbotene Sachen mit sich schleppt *grins*) und von dort aus weiter nach Peking. In Peking schlägt einem die Hitze (33 Grad) wie eine Wand entgegen wenn man aus dem Flughafen kommt. Noch ziemlich heftig. Aber eigentlich mag ich's ja heiss, insofern ist das OK. 

Das Hotel in dem ich bin ist tiptop und da ich ein Zimmer möglichst weit oben verlang habe (bin nun im 13. Stock) sehe ich direkt - halb verdeckt durch einen Hotelklotz - rüber ins 500m entfernte "Bird Nest", dem Olympiastadion von Herzog&DeMeuron. Wie hat das Herzog im gleichnamigen "Dokumentarfilm" (in Anführungszeichen weil es eigentlich ein reiner Propagandafilm ist) formuliert? "In der Schweiz da gibt es überall Reglemente, Verordnungen und Einsprachen, so ein Monumentalbau wäre in einer Demokratie deshalb nie möglich. In China hingegen geht - dank der Diktatur - alles ein bisschen einfacher." So können sich die beiden Basler also hier verwirklichen auf Kosten vieler anderer. Und auf die Situation der Zwangs-Umgesiedelten oder der Arbeiter und, dass ab und zu auch mal einer zu Tode stürzt bei der gewagten Konstruktion, kam man schon gar nicht zu sprechen im Film. Anyway, auf dieses nette Stadion schaue ich also beim schreiben dieser Zeilen.
Aber eigentlich schaue ich momentan direkt auf die "Welcome Reception" der Konferenz die auf einer Wiese direkt vor meinem Hotel stattfindet. Da wurde eine Bühne aufgebaut, mehrere Ess- und Getränkestände stehe herum und man feiert hier die Eröffnung der 21. ISPRS Konferenz. Mir ist noch nicht ganz klar wieviele Leute hier genau teilnehmen, jemand sagte mir, dass es rund 3000 Vorträge geben wird in den nächsten 10 Tagen und entsprechend ähnlich viele TeilnehmerInnen. Jemand anders sagte mir, dass m
an hier 8000 bis 12000 Teilnehmer erwarte. So oder so, eine eher grosse Sache die heute zuerst in einem gigantischen "Audi-Max" des Pekinger Konferenzzentrums BICC eröffnet wurde und nun vor meinem Hotel draussen weitergefeiert wird. Bei der Eröffnung (siehe Handy-Photo) hat der Chinesische Landwirtschaftsminister eine Eröffnungsrede auf Chinesisch gehalten was für mich - dank meinem Chinesischkurs - ein Kinderspiel war, die meisten anderen TeilnehmerInnen aber ein bisschen ratlos zurückliess. Naja, das mit dem Kinderspiel ist vielleicht äs bizeli übertrieben aber ich hab schon Wörter wie "dies", "wir" oder "2008" verstanden :-) 
Später gabs dann noch Chinesische Musik, Tänze, Pekingoper und ein bisschen Akrobatik. Da ich im Flugzeug nichts geschlafen hat (wenn man gegen die Sonne fliegt, dann geht ca. um 22 Uhr Schweizer Zeit schon wieder die Sonne auf, man müsste also schon um ca. 17 oder 18 Uhr schlafen um den Sonnenuntergang zu erwischen...) hatte ich schwer zu kämpfen beim überstehen dieser zwei stündigen "Opening Ceremony". 

Soweit zur offiziellen Eröffnung der Konferenz und der Eröffnung meines persönlichen "Travel Blog"! Es ist spannend, anders und sehr heiss hier. Morgen steht schon ein Ausflug auf die Chinesische Mauer auf dem Programm und ich hoffe sehr, dass nicht alle 12000 mitkommen werden sonst bricht die Mauer noch zusammen, die ist ja auch nicht mehr die Jüngste... So. Draussen tanzen sie noch weiter (Musikstil hat zu Pop/Rock gewechselt - siehe letztes Bild der Wiese bei Nacht, das ist gerade mal 10 Minuten alt) aber für mich ist trotz der frühen Abendstunde (21 Uhr) schon Bettzeit. Kann meine Augen nicht mehr offen halten.

Zaijian!