Diesmal beginne ich rückwärts mit meinem Erlebnisbericht: Heute hatte ich meinen ersten Vortrag und zwar in der
WG VI/2 Technical Session. Eine kurze Erklärung zum Aufbau der
ISPRS-Organisation: Die
International Society for Photogrammetry and Remote Sensing (
ISPRS oder auf Deutsch: Internationale Gesellschaft für
Photogrammetrie und Fernerkundung) hat insgesamt 8
Technical Commissions und alle diese
commissions haben wiederum jeweils "
Working Groups" (WG). Die für meine Themen interessante Einheit ist die
Commission VI - Education and Outreach welche wiederum in 5
working groups und eine
special interest group unterteilt ist. Heute habe ich nun also meinen Vortrag über
GITTA in der
Working Group 2: "E-Learning" gehalten. So erklärt sich also die Abkürzung zu WG VI/2.

Noch einen kleinen Seitenhieb den ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen kann: Wie der Co-
Chair Mark
Shortis in seiner einführenden Präsentation zeigte (Mausklick aufs Bild für volle
Grösse falls man es nicht lesen kann) wurde diese
Working Group schon 1992 (!) gegründet,
hiess aber damals noch
CAT,
dh. Computer
Aided Teaching. 2004 wählte man dann aber einen etwas aktuelleren und moderneren Namen für die Gruppe: E-
Learning. Bei uns an der Universität Zürich wird das genau umgekehrt gemacht: Unsere Gruppe, das
MELS, sowie das E-
Learning Center
ELC gehören ab 1. August 2008 zur neuen Abteilung
CATA (gleiche Abkürzung aber
noch mit "&
Assessment" hinten angehängt). Man lese die
Pressemitteilung. Da scheint jemand ganz weit hinten in der Mottenkiste nach einem Namen für eine neue Abteilung gesucht zu haben,
hehe :-) So, Klammer geschlossen (und ich meinen Job los wegen stänkern??).

Nun der Vortrag lief
glaubs nicht schlecht. Ein bisschen schade war, dass ich ca. um 17:25 Uhr dran war und die Session bis 17:30 Uhr dauerte. Obwohl mich der Session
Chair Gert König keineswegs drängte fühlte ich mich selbst ein bisschen gedrängt und hab den gut 20 minütigen Vortrag dann in knapp 15 Minuten gehalten. Aber ich glaub es war ganz
OK (oder Susanne? Du darfst auch gerne einen Kommentar
posten, von mir aus auch anonym, damit ich dann nicht
weiss wers war :-) Und mit vielleicht 30 Personen war die Session auch knapp zur Hälfte gefüllt was ganz
ok ist.
Vor dieser Session
gabs von 13:30 bis 15:00 auch wiederum eine riesige Poster Session bei welcher ich aber nur so halbherzig teilnahm weil a) das Thema "
Education" an diesem Tag fehlte und b) ich schon relativ nervös war (wie immer vor einem Vortrag...) und mit den Gedanken eher beim Vortrag als bei den
Posters.
Was lief noch heute? Am Morgen
gabs einen Ausflug zu
National Geomatics Center of China (
NGCC). Das ist die Behörde welche in China für das erfassen und aufbereiten von
Geo-Daten zuständig ist. Zuerst
gabs eine kurze Einführung der Chefin gefolgt von einem Vortrag über die Vermessung der
Grossen Mauer sowie zu Katastrophenmanagement im Bezug auf das Erdbeben von vor zwei Monaten. Bei beiden Vorträgen klickten die Referenten teils Folien so schnell weiter, dass man gar nicht wusste ob sie nun gestresst waren oder ob sie gar nicht wollten, dass wir die Folie sehen. So
gabs scheinbar eine Folie auf der Stand, dass neuste Vermessungen der
Grossen Mauer die exakte Länge mit rund 50'000 km anstatt der bisher angenommenen 6'000 km eruiert hätten?? Auf die entsprechende Frage wollte der Referent dann aber nicht eingehen und verweist auf die Resultate die Ende 2008
publiziert werden. Man muss dazu wissen, dass es nicht "die"
Grosse Mauer gibt sondern je nach Dynastie wurde wieder eine neue Mauer gebaut entlang der jeweils aktuellen Grenze.

Da diese Grenze aber
grösstenteils gleich blieb, ist es schon so, dass die
Grosse Mauer über weite Strecken eben eine einzige Mauer ist. Übrigens fiel mir auf (ich hab mir nach meinen Vortrag heute zwar geschworen nicht mehr im Blog über andere Referenten herzuziehen aber das muss noch sein:), dass auch bei Chinesischen Referenten der PowerPoint Stil "Übergänge" (siehe
letzten Blog-Eintrag) sehr, sehr beliebt ist,
hehe :-) Alles in allem ein interessanter Morgen der dann bei der Führung relativ abrupt mit den Worten "
You have to go to bus now!" beendet wurde. Das war ein relativ schräger Abgang und man wusste nicht recht ob es einen Zusammenhang mit der letzten Publikumsfrage (Woher hat Google
Earth die Satellitenbilder? Auch vom
NGCC?) gab oder ob die
NGCC-Führung nach einer Bürobesichtigung wirklich schon beendet war.
We'
ll never know!
Sonntags-AusflugAm Sonntag lief
nix an der
ISPRS-Konferenz (
ausser einem "Mauer-Besuch", den ich aber schon am Freitag "absolviert" hatte...) und so machten Susanne, Hannes (beide
FHNW) und ich uns auf in den Sommerpalast. Das ist die ehemalige Sommerresidenz des Kaisers und entsprechend
lauschig gelegen mit riesigem See, Flüssen, Pärken und historischen Gebäuden die aber praktisch alle mehrmals wieder aufgebaut wurden (teils vor 15 Jahren...) weil die Franzosen oder Engländer oder sonst jemand der nicht nett oder schlecht drauf war alles niedergebrannt hatte. Man
behafte mich hier zu dieser späten Stunde (es ist 2 Uhr nachts...) nicht auf diese geschichtlichen Details sondern lese in
Wikipedia oder
sonstwo die Wahrheit und nichts als die Wahrheit nach. Was ich eigentlich sagen will ist, dass in China vieles alt oder sehr alt aussieht und zum Teil erst wenige Jahre alt ist. Gut in kopieren sind die
Jungs... Aber schön
siehts trotzdem aus und wir hatten auch eine
angenehmere Zeit im Sommerpalast zusammen mit etwa 50'000 anderen (geschätzte Zahl beim Eingang war 43'000 Eintritte für diesen Sonntag). Da die Anlage inkl. See aber rund 2.5 km lang und 1.5 km breit ist, verteilt sich das schon meistens. Nicht jedoch bei den neuralgischen Punkten wie
bsp. dem Wandelgang:

Ein paar weitere Fotos:

Die Algenplage plagt die Chinesen übrigens nicht nur an der Olympiade sondern auch hier:

Übrigens habe ich bei diesem Ausflug ein neues Hobby meinerseits entdeckt: Chinesen beim posieren fotografieren :-) Chinesen posieren scheinbar immer und überall, egal wie, wo, wer sonst noch im weg steht und überhaupt. Kurzes grinsen, dann wieder ein "
Lätsch",
Hauptsache Foto mit
Sujet und Person (meist Kind oder Freundin) ist gemacht *
grins*
Anschliessend gings ins Zentrum zum
Beihan Park und See, ebenfalls Tempel, Boote, Stände, Touristen und alles wiederum sehr pittoresk. Ich
spar mir jetzt die Bilder, könnt ihr ja bei
Google schauen :-) Bei diesem zweiten Park viel mir wiederum etwas auf nämlich der Geschäftssinn der Chinesen: Man zahlt also Eintritt in diesen
grossen Park. In diesem Park
hats einen See mit einer Insel (
Jade Insel) mit einem Hügel und einem Tempel drauf. Da zahlt man natürlich das Boot und wenn man drüben ist, dann kann man schon rundherum laufen aber wer auf den Hügel will, der bezahlt, denn das ist ein Kloster oder so. Nun gut, auf der Spitze
hats eine
weisse Pagode und um die anzuschauen... Genau, man bezahlt wieder Eintritt. Da ist man also auf dieser Insel, auf dem Hügel ganz oben auf der
Pagode und kommt um die Ecke zur letzten Treppe (von dort sieht man nämlich bis zur Verbotenen Stadt!) und? Genau! Man zahlt wieder *grins* Nicht viel jeweils, 2.- oder auch nur 1.-, die Treppe am Schluss kostet gar nur noch 40 Rappen oder so aber trotzdem, ziemlich klug. Jedesmal sagte ich mir: Ja also wenn ich schon da bin, dann zahl ich das halt noch, will ja schon noch rauf. Ganz schon klever...
Und nach einem wohlverdienten längeren Rast in einem Teehaus gings dann schlussendlich in ein feines Restaurant mit endlich mal ein pikantem Essen mit viel Chili (Sichuan Küche nennt sich das, benannt nach dem gleichnamigen Staat/Kanton).

Und ganz zum Schluss sind wir noch ziellos durch kleine dunkle Gassen, sogenannte
Hutongs (die man heute wegen dem Gigantismus in Peking immer seltener sieht...) geschlichen und im Gegensatz zu bsp. Mexiko wo ich mich an ähnlichen Orten mehr als nur Unwohl gefühlt hätte, scheint das in China kein Thema zu sein. Cool! So 2h an einem Blog-Eintrag schreiben sind genug!! Ich hoffe ihr müsst nicht ganz so lange lesen :-)